Wie ich Hundetraining verstehe...

Wohlbefinden als Grundlage

Im Mittelpunkt meines Hundetrainings steht das Wohlbefinden von Hund und Mensch.

Wie sich ein Hund fühlt, beeinflusst, wie er Situationen und Reize erlebt und bewertet. Je wohler er sich fühlt, desto eher können daraus gute Erfahrungen entstehen.

Hund steht aufmerksam auf einer Wiese und beobachtet seine Umwelt

Warum tut ein Hund, was er tut?

Verhalten entsteht nicht einfach aus dem Nichts. Vor allem drei Dinge spielen dabei eine Rolle:

Genetische Voraussetzungen – was bringt der Hund von Natur aus mit?

Bisherige Erfahrungen – was hat er in seinem Leben erlebt und gelernt?

Die aktuelle Umwelt – was passiert gerade und welche Einflüsse wirken in diesem Moment auf ihn?

Genetische Voraussetzungen und bisherige Erfahrungen können wir nicht verändern. Die aktuelle Umwelt dagegen können wir beeinflussen und gestalten. Genau hier gibt es viele Möglichkeiten, Wohlbefinden zu fördern und gute Bedingungen zum Lernen von erwünschtem Verhalten zu schaffen.

Jedes Verhalten hat eine Funktion

Im Hundetraining geht es für mich sowohl um das Lernen von erwünschtem Verhalten als auch um das Verändern von unerwünschtem Verhalten. Dabei sind für mich vor allem diese Fragen wichtig:

Welche Funktion hat dieses Verhalten – was erreicht oder vermeidet der Hund damit? Und wenn wir dieses Verhalten verändern möchten: Was sollte er stattdessen tun?

Verhalten zu verstehen bedeutet nicht, es gutzuheißen. Kennen wir seine Funktion, können wir überlegen, welches andere Verhalten für den Hund dieselbe oder eine vergleichbare Funktion erfüllen kann.

Hund erkundet beim Schnüffeln aufmerksam seine Umwelt

Die Aufmerksamkeit des Menschen sollte vor allem auf dem erwünschten Verhalten liegen. Dieses Verhalten wahrzunehmen, zu belohnen und dadurch zu verstärken ist für mich ein wesentlicher Bestandteil des Hundetrainings. So lernt der Hund, welches Verhalten sich für ihn lohnt, und wird es zukünftig häufiger zeigen.

Ein wichtiges Werkzeug ist für mich dabei das Markersignal. Auch wenn der Begriff Markersignal zunächst unbekannt klingt, kennen Hunde das zugrunde liegende Prinzip längst aus ihrem Alltag. Ein Markersignal ist für den Hund eine Vorhersage: Auf ein Signal folgt verlässlich etwas Bestimmtes. Das Rascheln der Futtertüte, das Geräusch beim Öffnen der Kühlschranktür oder das Klappern am Briefkasten können für einen Hund zu Signalen werden, die ankündigen, was als Nächstes passiert. Ein Markersignal kann etwas Angenehmes vorhersagen – genauso kann es aber auch etwas Unangenehmes ankündigen.

Im Training nutzen wir dieses Prinzip ganz bewusst. Ein Markersignal kündigt für den Hund etwas Angenehmes an und ermöglicht gleichzeitig, sehr genau zu markieren: Genau dieses Verhalten lohnt sich für dich. Der einigen Hundehaltern bekannte Klicker zum Beispiel funktioniert nach diesem Prinzip. Ich trainiere allerdings gerne mit dem gesprochenen Markerwort.

Für mich ist das kein starres Trainingsschema, sondern eine klare und verlässliche Form der Kommunikation. Wie wir ein Ziel erreichen, darf trotzdem individuell bleiben.

Hund rennt zum Menschen

Verlässlichkeit schafft Sicherheit

Zu fairem Hundetraining gehört für mich auch, die Bedürfnisse des Hundes so weit wie möglich zu befriedigen. Das bedeutet nicht, dass ein Hund immer alles bekommen oder tun kann, was er möchte.

Dadurch kann der Hund etwas sehr Wichtiges erfahren: Mein Mensch ist verlässlich, weil er wahrnimmt, was ich brauche, und darauf eingeht.

Diese Verlässlichkeit schafft Sicherheit.

Sicherheit bedeutet für mich deshalb nicht, dem Hund alle Entscheidungen abnehmen und alles für ihn regeln zu müssen. Die Vorstellung, ein Hund müsse sich um nichts kümmern, weil sein Mensch alles für ihn übernimmt und entscheidet, widerspricht grundsätzlich meiner Vorstellung vom Zusammenleben mit einem Hund.

Ich möchte ihm vielmehr ermöglichen, eigene Entscheidungen zu treffen und durch sein Verhalten selbst Einfluss auf eine Situation zu nehmen (Selbstwirksamkeit). Der Hund darf seinen eigenen Weg finden – möglichst mit Verhaltensweisen, die zu unserem Zusammenleben in einer menschlichen Gesellschaft passen. Dabei ist es meine Aufgabe, ihm verlässlich zur Seite zu stehen.

Verlässlichkeit, Bedürfnisbefriedigung und Selbstwirksamkeit gehören für mich deshalb eng zusammen.

Hund nimmt aufmerksam Gerüche aus seiner Umgebung wahr

Fairer Umgang

Fairness zeigt sich für mich nicht nur darin, was wir einem Hund beibringen, sondern auch darin, wie wir es tun.

Zu einem fairen Umgang gehört für mich, Bedrohung, Einschüchterung und Zwang und Strafe zu vermeiden. Beispiele dafür sind körpersprachliches Bedrohen oder Bedrängen durch Körperblocks, Leinenruck, das Erheben der Stimme oder das Anblaffen des Hundes.

„Sag deinem Hund, was er tun soll, und nicht, was er lassen soll.“ Statt zu versuchen, unerwünschtes Verhalten zu hemmen, möchte ich dem Hund vermitteln, was er stattdessen tun kann.

Stärken stärken

Im Training richtet sich der Blick schnell auf das, was nicht funktioniert. Mich interessiert genauso, was ein Hund bereits kann und welche Fähigkeiten und Strategien er mitbringt.

Stärken stärken, um Schwächen zu schwächen.

Vorhandene Fähigkeiten können wir nutzen und weiterentwickeln, statt uns vor allem auf Defizite zu konzentrieren.

Fairness gilt auch für den Menschen

Auch der Mensch bringt seine Bedürfnisse, Erfahrungen, Vorstellungen und Erwartungen mit. Sie ernst zu nehmen gehört für mich genauso zu einem fairen Umgang.

Statt Vorwürfen oder Abwertung schauen wir gemeinsam darauf, was bereits funktioniert und wo Veränderungen sinnvoll und möglich sind.

Frau und Hund gehen entspannt gemeinsam an langer Leine durch die Natur

„Fair geht vor“

Für mich gehört all das zu meinem Verständnis von Hundetraining. Für Hund und Mensch.

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